Reglement über die Archivierung beim Bundesstrafgericht (152.12)
    CH - Schweizer Bundesrecht

    Reglement über die Archivierung beim Bundesstrafgericht

    vom 17. Januar 2006 (Stand am 1. September 2023)
    Das Bundesstrafgericht,
    gestützt auf Artikel 1 Absatz 1 Buchstabe d und 4 Absatz 4 des Archivierungsgesetzes vom 26. Juni 1998¹ (BGA),
    beschliesst:
    ¹ SR 152.1

    1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen

    Art. 1 Zweck und Geltungsbereich
    (Art. 1 BGA)
    ¹ Dieses Reglement regelt die Archivierung von Unterlagen des Bundesstrafgerichts und die Einsichtnahme in die Unterlagen durch Dritte.
    ² Für laufende Verfahren bleibt das Prozessrecht vorbehalten.
    ³ Im Übrigen finden das BGA und die Archivierungsverordnung vom 8. September 1999² Anwendung.
    ² SR 152.11

    2. Abschnitt: Archivierung und Sicherung der Unterlagen

    Art. 2 Grundsatz
    (Art. 2 BGA)
    ¹ Archivwürdige Unterlagen des Bundesstrafgerichts werden dauerhaft archiviert.
    ² Rechtlich, politisch, wirtschaftlich, historisch, sozial oder kulturell für die Geschichte und die Entwicklung des Bundesstrafgerichts wertvolle Akten werden archiviert.
    Art. 3 Verfahrensakten ³
    ¹ Sämtliche Kammern des Bundesstrafgerichts archivieren die Verfahrensakten zu ihren Entscheiden dauerhaft.⁴
    ² Der Präsident oder die Präsidentin des Spruchkörpers kann in einem konkreten Fall weitere Akten beilegen.
    ³ Fassung gemäss Ziff. I der V des BstGer vom 9. März 2023, in Kraft seit 1. Sept. 2023 ( AS 2023 209 ).
    ⁴ Fassung gemäss Ziff. I der V des BstGer vom 9. März 2023, in Kraft seit 1. Sept. 2023 ( AS 2023 209 ).
    Art. 4 Akten über Telefonkontrollen und verdeckte Ermittlungen
    Akten über Telefonkontrollen und verdeckte Ermittlungen werden separat aufbewahrt. Sie können vorbehältlich einer gesetzlichen Regelung nicht durch Dritte eingesehen werden.
    Art. 5 Personal- und Buchhaltungsakten
    ¹ Die Personalakten werden nach dem Datenschutzgesetz vom 25. September 2020⁵ archiviert.⁶
    ² Die Buchhaltungsakten werden unter Berücksichtigung des geltenden Bundesrechts archiviert.
    ⁵ SR 235.1
    ⁶ Fassung gemäss Ziff. I der V des BstGer vom 9. März 2023, in Kraft seit 1. Sept. 2023 ( AS 2023 209 ).
    Art. 6 Bibliothek und Informatik
    Für die Bibliothek und die Informatik gelten besondere Bestimmungen.
    Art. 7 Weitere Administrativunterlagen
    Der Gerichtspräsident oder die Gerichtspräsidentin und der Generalsekretär oder die Generalsekretärin entscheiden in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich über die Modalitäten der Archivierung weiterer Administrativunterlagen.
    Art. 8 Von anderen Behörden zur Verfügung gestellte Akten
    Akten (Verfahrensakten, Beweismittel usw.), welche von anderen Behörden zur Verfügung gestellt wurden, werden nach Abschluss des Verfahrens der zustellenden Behörde zurückgegeben.
    Art. 9 Zuständigkeiten
    ¹ Der Generalsekretär oder die Generalsekretärin ist für die Organisation und die Verwaltung des Archivs zuständig. Er oder sie erlässt die entsprechenden Weisungen.
    ² Die Kanzlei bereitet die zu archivierenden Akten vor.
    ³ Der oder die Verantwortliche für Logistik und Sicherheit ist für die sichere Aufbewahrung der Akten zuständig und betreut die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten.

    3. Abschnitt: Zugänglichkeit des Archivguts für Dritte

    Art. 10 Schutzfrist
    (Art. 9 und 11 BGA)
    ¹ Grundsätzlich gilt die Schutzfrist von 30 Jahren nach Artikel 9 BGA.
    ² Verfahrensakten unterstehen der längeren Schutzfrist von 50 Jahren nach Artikel 11 BGA, sofern am Verfahren nicht ausschliesslich öffentlich-rechtliche Institutionen oder Anstalten teilgenommen haben.
    ³ Für andere Unterlagen beträgt die Schutzfrist 50 Jahre, sofern sie besonders schützenswerte Personendaten enthalten.
    ⁴ Für die Protokolle des Gesamtgerichts, der Gerichtsleitung und der Kammern beträgt die Schutzfrist 50 Jahre.
    Art. 11 Berechnung der Schutzfrist
    (Art. 10 BGA)
    ¹ Grundsätzlich gilt die Schutzfrist für alle Verfahrensakten.
    ² Die Schutzfrist beginnt für die Verfahrensakten mit dem Entscheiddatum zu laufen; für die übrigen Akten ist die Datumsangabe des jüngsten Dokuments massgebend.
    ³ Beigefügte Unterlagen, die keine relevanten Informationen enthalten, sind für die Berechnung der Schutzfrist nicht massgebend.
    Art. 12 Verlängerung der Schutzfrist
    (Art. 12 BGA)
    ¹ Besteht im Einzelfall bei Archivgut ein überwiegendes, schutzwürdiges öffentliches oder privates Interesse gegen die Einsichtnahme durch Dritte, so kann die Schutzfrist durch Beschluss der Gerichtsleitung verlängert werden.
    ² Der Generalsekretär oder die Generalsekretärin führt eine der Öffentlichkeit zugängliche Liste über die Akten, für welche eine solche Verlängerung beschlossen wurde.
    Art. 13 Einsichtnahme während der Schutzfrist
    (Art. 13 BGA)
    ¹ Die Einsichtnahme während der Schutzfrist kann, sofern der Gesuchsteller oder die Gesuchstellerin ein schutzwürdiges Interesse nachweist, insbesondere gewährt werden, wenn:
    a. ein Einverständnis der betroffenen Personen vorliegt;
    b. die betroffenen Personen seit mindestens drei Jahren verstorben sind;
    c. die Unterlagen bereits der Öffentlichkeit zugänglich waren und keine neuen Erkenntnisse einer Einsichtnahme entgegenstehen; oder
    d. es für eine wissenschaftliche Tätigkeit unter Wahrung des Schutzzwecks gerechtfertigt erscheint.
    ² Aus Gründen des Persönlichkeits- und Geheimnisschutzes kann die Einsichtnahme auf einen Teil der Akten beschränkt werden. Die zur Einsicht herausgegebenen Akten können anonymisiert werden.
    Art. 14 Einsichtnahme nach Ablauf der Schutzfrist
    ¹ Nach Ablauf der Schutzfrist kann jede Person das Archivgut einsehen.
    ² Grundsätzlich hat die Einsichtnahme in den Räumlichkeiten des Gerichts zu erfolgen.
    Art. 15 Gesuch um Einsichtnahme
    ¹ Das Gesuch um Einsichtnahme ist beim Generalsekretariat schriftlich einzureichen.
    ² Das Gesuch hat folgende Angaben zu enthalten:
    a. die Personalien des Gesuchstellers oder der Gesuchstellerin;
    b. eine möglichst genaue Angabe der Akten, auf welche sich das Gesuch bezieht;
    c. den Einsichtsgrund, sofern das Gesuch vor Ablauf der Schutzfrist gestellt wird.
    Art. 16 Entscheid
    ¹ Der Generalsekretär oder die Generalsekretärin entscheidet über Gesuche um Einsichtnahme.
    ² Die Abweisung des Gesuchs oder die Beschränkung der Einsichtnahme muss begründet werden. Auf Verlangen ist ein anfechtbarer Entscheid zu erlassen.
    Art. 17 Beschränkungen
    ¹ Die Berechtigung, Akten einzusehen, befreit den Gesuchsteller oder die Gesuchstellerin nicht von der Pflicht zur Wahrung des Persönlichkeits- und Geheimnisschutzes.
    ² Die Einsichtnahme kann im Einzelfall weiteren Beschränkungen unterstehen.
    ³ Vom Gesuchsteller oder von der Gesuchstellerin kann verlangt werden, die Kenntnisnahme der Beschränkungen schriftlich zu bestätigen.

    4. Abschnitt: Rechtsmittel, Gebühren und Inkrafttreten

    Art. 18 ⁷ Beschwerde
    Die Beschwerdemöglichkeit richtet sich nach den Artikeln 82−89 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005⁸.
    ⁷ Fassung gemäss Ziff. I der V des BstGer vom 29. Aug. 2006, in Kraft seit 1. Jan. 2007 ( AS 2006 4457 ).
    ⁸ SR 173.110
    Art. 19 Gebühren
    ¹ Die Dienstleistungen des Gerichts, welche die Einsichtnahme betreffen, sind unentgeltlich, soweit sie keinen aussergewöhnlichen Aufwand erfordern.
    ² Weitergehende Dienstleistungen und das Kopieren von Unterlagen werden nach Zeit- und Materialaufwand berechnet.
    ³ Im Übrigen gilt die Verordnung vom 24. August 1994⁹ über die Verwaltungsgebühren des Bundesgerichts sinngemäss.
    ⁹ SR 173.118.2
    Art. 20 Inkrafttreten
    Dieses Reglement tritt rückwirkend am 1. Januar 2006 in Kraft.
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